Übersetzung ist der leichte Teil. Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn Text nicht mehr von links nach rechts läuft, Ziffern sich anders verhalten und Register-Einträge plötzlich in umgekehrter Reihenfolge sortiert werden müssen. Wer global veröffentlichen will, stößt schnell an Grenzen, die in keinem Übersetzungstool auftauchen.
RTL ist keine Spiegelung
Ein häufiges Missverständnis: Rechts-nach-links sei einfach ein gespiegeltes Layout. Tatsächlich mischen sich in Farsi oder Arabisch lateinische Fachbegriffe, Zahlen und URLs mitten in den RTL-Fluss — der sogenannte Bidi-Algorithmus muss jede Zeile korrekt auflösen. Fehler hier führen zu Text, der für Muttersprachler:innen sofort als kaputt erkennbar ist.
Mehrsprachigkeit entscheidet sich nicht an der Übersetzung, sondern an den Details, die niemand sieht — bis sie fehlen.
Was oft schiefgeht
Register-Einträge in Farsi falsch sortiert
Zahlen im gemischten Bidi-Kontext verrutscht
Silbentrennung ohne sprachspezifische Regeln
Fußnoten-Marker auf der falschen Seite der Zeile
EPUB3 als Fundament
Natives RTL-EPUB3 löst diese Probleme nicht automatisch, aber es gibt den Rahmen: korrekte Leserichtung, sprachspezifische Metadaten, saubere Trennung von Inhalt und Darstellung. Darauf lässt sich ein Export aufbauen, der in Teheran genauso funktioniert wie in Berlin — inklusive geprüfter Silbentrennung und korrekt sortierter Verzeichnisse.
Der Lohn der Mühe ist ein Markt, den die meisten Self-Publisher ignorieren. Wer die technischen Tücken meistert, erreicht Leser:innen in Sprachen, in denen es kaum professionell gesetzte Konkurrenz gibt. Mehrsprachigkeit ist nicht nur Reichweite — sie ist oft der leichteste Weg zu einer offenen Nische.